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	<title>WikiCiety</title>
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	<description>Click here to edit the world</description>
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		<title>Im Interview zusammen mit Svenja Rubsch über WikiWoods.Org</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=340</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=340#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 15:09:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[wikiwoods]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Blog Perendie ist gerade ein lesenswertes Interview über die Baumpflanzinitiative WikiWoods erschienen: “Die zweitbeste Zeit Bäume zu pflanzen ist heute”]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Blog <a href="http://perendie.de/">Perendie</a> ist gerade ein lesenswertes Interview über die Baumpflanzinitiative WikiWoods erschienen:</p>
<h3><a title="Permalink zu “Die zweitbeste Zeit Bäume zu pflanzen ist heute”" href="http://perendie.de/zweitbeste-zeit-baeume-pflanzen-heute/" rel="bookmark">“Die zweitbeste Zeit Bäume zu pflanzen ist heute”</a></h3>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=340&amp;md5=eb16102cdc62abf37a457af50717c7ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Peak Oil ist jetzt via TAZ/ Nature</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=337</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=337#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 07:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peak Oil]]></category>
		<category><![CDATA[Nature]]></category>

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		<description><![CDATA[06.02.2012: Peak Oil ist jetzt, Kommentar von Manfred Kriener (via taz.de) Lange erinnerte die Diskussion ein wenig &#8220;an die Zeugen Jehovas&#8221;, wie die Kritiker höhnten. Man schaute in die Zukunft und spekulierte, wann die Ölförderung den Gipfel erreichen und wann sie abstürzen wird. Inzwischen können wir den ersten Teil der Frage beantworten: Peak Oil ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>06.02.2012: Peak Oil ist jetzt, Kommentar von Manfred Kriener (via taz.de)</div>
<blockquote><p>Lange erinnerte die Diskussion ein wenig &#8220;an die Zeugen Jehovas&#8221;, wie die Kritiker höhnten. Man schaute in die Zukunft und spekulierte, wann die Ölförderung den Gipfel erreichen und wann sie abstürzen wird. Inzwischen können wir den ersten Teil der Frage beantworten: Peak Oil ist jetzt! Die Ölfelder auf unserer Erde werden nie mehr so viel Öl hergeben wie in der historischen Phase von 2005 bis 2012. Dafür existieren inzwischen genug Belege. Schon im Energy-Outlook 2010 hatte die notorisch überoptimistische Internationale Energieagentur IEA einen für ihre Verhältnisse sensationellen Schwenk vollzogen.</p></blockquote>
<p>Quelle: <a href="http://www.taz.de/Debatte-Erdoel/!87093/">http://www.taz.de/Debatte-Erdoel/!87093/</a></p>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=337&amp;md5=6d067fa6e48f17c093e5be832aa8fb26" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Empört Euch! Engagiert Euch!</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=327</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=327#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 10:48:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peak Oil]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Menschnrechte]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon vor einiger Zeit bin ich auf Stéphane Hessels Büchlein Empört Euch! und das Folgebüchlein Engagiert Euch! gestoßen. Ich habe mich gefreut die Perspektive eines Resistance-Anhängers kennen zu lernen und etwas über seine Sicht der Dinge auf die Situation heute zu lernen. Vermisst habe ich die Einordnung aktueller Umweltprobleme im Kontext der Menschenrechte. Ich selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon vor einiger Zeit bin ich auf <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A9phane_Hessel">Stéphane Hessel</a>s</em> Büchlein <em>Empört Euch!</em> und das Folgebüchlein <em>Engagiert Euch!</em> gestoßen. Ich habe mich gefreut die Perspektive eines Resistance-Anhängers kennen zu lernen und etwas über seine Sicht der Dinge auf die Situation heute zu lernen.</p>
<p>Vermisst habe ich die Einordnung aktueller Umweltprobleme im Kontext der Menschenrechte. Ich selbst bin der Überzeugung, dass es gar nicht mehr um die Umwelt geht, die wir zerstören, also nicht um das kleine Biotop nebenan oder den Eisbären auf der Eisscholle. Es geht mehr um die Lebensgrundlage der Menschheit an sich, an der zentrale Fragen hängen:</p>
<p><span id="more-327"></span></p>
<blockquote><p>Wie kann die Versorgung mit Lebensmitteln funktionieren, falls Energiekosten weiter steigen, wenn unsere Art Nahrungsmittel zu produzieren auf viel Erdöl (pro <a href="http://ec.europa.eu/research/research-eu/oil/article_oil40_de.html">Kalorie Lebensmittel benötigen wir 10 Kalorien Erdöl</a>) und Zerstörung der Böden (vgl <a href="http://www.energybulletin.net/52788">Peak Soil</a>) basiert?</p>
<p>Oder weiter, wie kann das Recht auf einen Lebensstandard (<a href="http://www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger">Artikel 25</a>) für alle sichergestellt werden, wenn die physischen Ressourcen dafür nicht vorhanden sind?</p></blockquote>
<p>Der Zusammenhang zwischen steigenden Erdölpreisen und somit steigenden Lebensmittelpreisen hat sich schon im Juli 2008 gezeigt, als hohe Erdölpreise Massenproteste in verschiedenen Ländern ausgelöst hatten. Die letzten umfangreichen Proteste dieser Art  fanden <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/149329">Anfang 2011 in Indien</a> statt. Die in der Presse erwähnten neuen <a href="http://www.peak-oil.com/2012/01/medienhype-statoil-entdeckt-7-welt-tages-reserve-olfeld/">&#8220;Riesenfunde&#8221; sind allerdings zu vernachlässigen</a>.</p>
<p>Zur Verdeutlichung hier nochmal die Ölfunde im Rückblick:</p>
<p>Ölfunde:</p>
<p><img class="alignnone" title="Quelle: Wikipedia" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/57/Olfunde.png" alt="" width="559" height="283" /></p>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=327&amp;md5=cbfff03e8b8693ef821b35f0aa0c3a53" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>2011: Bestes Konsumjahr seit 10 Jahren</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=325</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=325#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 10:15:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum]]></category>

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		<description><![CDATA[Der  Deutsche Industrie- und Handelskammertag schreibt heute: Insgesamt helfe die robuste Binnennachfrage, eine rückläufige Wirtschaftstätigkeit zu vermeiden. So sei 2011 das beste Konsumjahr seit mehr als zehn Jahren gewesen: Nach DIHK-Prognose stieg der private Verbrauch im vergangenen Jahr um mindestens 1,2 Prozent gegenüber 2010. Der Konsumnachfrage im Inland kommt die günstige Beschäftigungssituation zugute. Quelle: http://www.dihk.de/themenfelder/wirtschaftspolitik/news?m=2012-01-02-konjunkturbulletin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der  Deutsche Industrie- und Handelskammertag schreibt heute:</p>
<blockquote><p>Insgesamt helfe die robuste Binnennachfrage, eine rückläufige Wirtschaftstätigkeit zu vermeiden. So sei 2011 das beste Konsumjahr seit mehr als zehn Jahren gewesen: Nach DIHK-Prognose stieg der private Verbrauch im vergangenen Jahr um mindestens 1,2 Prozent gegenüber 2010. Der Konsumnachfrage im Inland kommt die günstige Beschäftigungssituation zugute.</p></blockquote>
<p>Quelle: <a href="http://www.dihk.de/themenfelder/wirtschaftspolitik/news?m=2012-01-02-konjunkturbulletin">http://www.dihk.de/themenfelder/wirtschaftspolitik/news?m=2012-01-02-konjunkturbulletin</a></p>
<p>Diese Mitteilung wird gerade über verschiedene Massenmedien verbreitet. Leider völlig unkritisch, denn mehr Konsum führt zu weniger Nachhaltigkeit: Mehr persönlicher Konsum bedeutet, dass das der Verbrauch pro Person weiter in Deutschland steigt. Somit steigt auch der Ressourcenverbrauch, der Energiebedarf, die Kosten für Entsorgung usw.. &#8211; es ist also noch keine Trendwende zu erkennen, der extrem hohe persönliche Konsum in Deutschland ist weiter gestiegen.</p>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=325&amp;md5=52918161f020e060e30d68d891b35a1e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Fürchtet Euch nicht! Über German Angst</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=316</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=316#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 08:24:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[German Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Über den Begriff German Angst bin ich das letzte Mal bei den Antiatom-Protesten nach dem Supergau in Fukushima gestolpert. Das war ein diffuser Erklärungsversuch, warum die Antiatomproteste stärker ausgefallen sind als in den Nachbarländern Deutschlands. Ich habe mich nicht weiter damit befasst, weil es generell schwierig ist mit Risiken angemessen umzugehen &#8211; schon deshalb weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über den Begriff <em>German Angst</em> bin ich das letzte Mal bei den Antiatom-Protesten nach dem Supergau in Fukushima gestolpert. Das war ein diffuser Erklärungsversuch, warum die Antiatomproteste stärker ausgefallen sind als in den Nachbarländern Deutschlands. Ich habe mich nicht weiter damit befasst, weil es generell schwierig ist mit Risiken angemessen umzugehen &#8211; schon deshalb weil es extrem schwer ist für uns Menschen Risiken rational einzuschätzen. Aber selbst das ist häufig gar nicht möglich, da eben viele Risikofaktoren kaum bekannt sind, weshalb ein intuitiver, nicht-rationaler Umgang gar nicht so schlecht ist.</p>
<p>Spannend war die Lektüre in der <a title="Oya 11/2011" href="http://www.oya-online.de/article/read/556-Wir_haben_unsere_Seelen_verkauft.html">aktuellen Oya</a> des Artikels</p>
<blockquote><p><strong>Wir haben unsere Seelen verkauft</strong><br />
Lara Mallien sprach mit Martin Häusler über sein neues Buch »Fürchtet euch nicht! Die Vertreibung der Deutschen Angst.«</p></blockquote>
<p><span id="more-316"></span>Während man im<a title="Wikipedia-Artikel über German Angst" href="http://de.wikipedia.org/wiki/German_Angst"> Wikipedia-Artikel über German Angst</a> mehr über die Herkunft des Begriffs und dessen Verwendung erfährt, wendet Martin Häusler den Begriff auf heute &#8211; der Zeit des Wandels und der Krisen &#8211; an. Dazu hier einige Ausschnitte des unter Creative Commons lizenzierten Oya-Artikels:</p>
<blockquote><p>Es fing während der Weltfinanzkrise von 2008/2009 an, mich zu beschäftigen. Ich merkte, wie das Angstpotenzial um mich herum rapide anstieg. Freunde wurden vom Burnout heimgesucht, weil sie sich dem Druck in ihrer Firma nicht entziehen konnten, andere wurden depressiv, weil ihre Altersversorgung, mit denen die Banken gezockt hatten, verschwunden war. Und ich hörte sogar Geschichten von Bekannten, deren Freunde sich nach Geschäftsbankrott die Kugel gaben. Ich las Studien, die diesen beobachteten wie gefühlten Zustand bestätigten: Die Deutschen haben so viel Angst wie noch nie. Und sie waren psychisch noch nie so krank wie heute.<br />
Dieses deutsche Grundgefühl erklärt der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt mit der kollektiven Erinnerung an Krieg, Vertreibung, Flucht, massenhaften Tod und die ökonomischen Traumata wie die Hyperinflation von 1924 oder die Währungsreform von 1948. Das habe den »gesamten Gesellschaftskörper« durchgeschüttelt, sagt er. ­Jedes Ereignis, das unsere materielle Sicherheit bedrohen könnte, führt somit zu kollektiven Ängsten. Mich interessierte, wie wir diese Angst wieder loswerden.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Es fing während der Weltfinanzkrise von 2008/2009 an, mich zu beschäftigen. Ich merkte, wie das Angstpotenzial um mich herum rapide anstieg. Freunde wurden vom Burnout heimgesucht, weil sie sich dem Druck in ihrer Firma nicht entziehen konnten, andere wurden depressiv, weil ihre Altersversorgung, mit denen die Banken gezockt hatten, verschwunden war. Und ich hörte sogar Geschichten von Bekannten, deren Freunde sich nach Geschäftsbankrott die Kugel gaben. Ich las Studien, die diesen beobachteten wie gefühlten Zustand bestätigten: Die Deutschen haben so viel Angst wie noch nie. Und sie waren psychisch noch nie so krank wie heute.<br />
Dieses deutsche Grundgefühl erklärt der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt mit der kollektiven Erinnerung an Krieg, Vertreibung, Flucht, massenhaften Tod und die ökonomischen Traumata wie die Hyperinflation von 1924 oder die Währungsreform von 1948. Das habe den »gesamten Gesellschaftskörper« durchgeschüttelt, sagt er. ­Jedes Ereignis, das unsere materielle Sicherheit bedrohen könnte, führt somit zu kollektiven Ängsten. Mich interessierte, wie wir diese Angst wieder loswerden.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Aber ist es mit einer »geistigen Orientierung« schon getan? Das kann auch ins andere Extrem umschlagen, in eine Missachtung der »vergänglichen Dimensionen«.</p>
<p>Damit meinte ich das goldene Kalb des Materialismus, den Irrglauben an ewiges Wachstum und an die Glückseligkeit durch Besitz und Status. Auf der Suche nach vermeintlicher Sicherheit haben wir uns und unsere Seelen verloren. Zu den geistigen Dimensionen zähle ich auch moralische und ethische Seinsfragen sowie die Selbstreflexion. Derer wurden wir durch den Turbokapitalismus ebenso beraubt. In einem System, das nur noch beschleunigt, Druck aufbaut, Angst erzeugt und keine Zeit mehr lässt für klare Gedanken, ist ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften unmöglich.</p>
<p>(&#8230;)</p></blockquote>
<p>Martin Häusler (37) arbeitet seit 18 Jahren als Journalist. Nach Publizistik-, Geographie- und Soziologiestudium ging er zu Gruner+Jahr und zu Axel Springer. Heute ist er freier Autor.</p>
<p>Martin Häusler in seinen Büchern begegnen:<br />
»Fürchtet euch nicht!« (2011) und »Die wahren Visionäre ­unserer Zeit« (2010) sind beide bei Scorpio erschienen.</p>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=316&amp;md5=8bb5460205a611a6274d502aedb17bbb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Organisationen von morgen &#8211; ein Plädoyer für Resilienz</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=287</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=287#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:09:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Partizipative Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Peak Oil]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[resilienz]]></category>
		<category><![CDATA[wandelfähigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[xmess]]></category>

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		<description><![CDATA[Blogparade: Thesen zur nächsten Gesellschaft Wie müssen Organisationen (heute) im Kontext einer nächsten – vom Computer geprägten Gesellschaft – gedacht, entworfen, beraten und letztendlich auch gemanagt und geführt werden? Haben Sie an Ihrem Arbeitsplatz schon mal einen Serverausfall erlebt? &#8211; Ich freue mich dann immer, dass die Kaffeemaschine noch nicht in an den Server angeschlossen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Blogparade: Thesen zur nächsten Gesellschaft</p>
<blockquote><p>Wie müssen Organisationen (heute) im Kontext einer nächsten – vom Computer geprägten Gesellschaft – gedacht, entworfen, beraten und letztendlich auch gemanagt und geführt werden?</p></blockquote>
<p><a href="http://blog.poczynek.org/2011/10/blogparade-thesen-zur-nachsten.html"><img title="Blogparade Thesen zur naechsten Gesellschaft" src="http://www.poczynek.org/downloads/xmess_blogparade_Jan.A.Poczynek_400x150.jpg" alt="Blogparade Thesen zur naechsten Gesellschaft" /></a></p>
<p>Haben Sie an Ihrem Arbeitsplatz schon mal einen Serverausfall erlebt? &#8211; Ich freue mich dann immer, dass die Kaffeemaschine noch nicht in an den Server angeschlossen ist. Wenn dann auch noch der Strom ausfällt &#8211; was, zumindest durch Bauarbeiten verursacht, ab und an mal passiert &#8211; fällt auch diese Option weg. Mein Soziologieprofessor &#8211; ein Vorreiter für Onlinewahlen &#8211; befand sich in einem Bankschaltervorraum, als der Strom für mehrere Stunden ausfiel. Der Automat ging nicht mehr, auch die elektrische Schiebetür ließ sich nicht mehr öffnen.</p>
<p><span id="more-287"></span></p>
<p>Zugegeben, diese Episoden prägen unseren Alltag heute nicht, und sie haben keinen großen Einfluss auf die Organisationsfrage, auch wenn z.B. im September dieses Jahres ein <a href="http://www.focus.de/panorama/vermischtes/stromausfall-sechs-millionen-menschen-in-usa-und-mexiko-ohne-strom_aid_663715.html">Stromausfall in den USA über 6 Millionen Menschen</a> betroffen hat. Doch stehen auch morgen alle Ressourcen zur Verfügung, die wir heute und in den letzten Jahrzehnten für selbstverständlich gehalten haben? Von welchen  hochkomplexen Systemen und einfachen Ressourcen sind Organisationen heute abhängig? Auch aus psychologischer Sicht sind diese Fragen interessant, da wir dazu tendieren, potentielle Krisen und große Probleme eher wegzuschieben als sie anzugehen.</p>
<p><strong>Redundanz und Resilienz</strong></p>
<p>Im Kontext von Datenbanksystemen ist mir das erste Mal der Begriff der Redundanz begegnet: Wie können Informationen so gespeichert werden, dass Dopplungen so gut es geht <em>verhindert</em> werden können? Inzwischen werden Server bewusst mit redundanten Systemen gekoppelt, um die Folgen eines Ausfalls zu reduzieren, oder, systemisch gesprochen, die Resilienz  und so die Widerstandsfähigkeit eines Systems zu erhöhen. Wir sprechen von Systemen und somit von skalierbaren Prinzipien: Wenig Redundanz ist kurzfristig effizienter, langfristig jedoch instabil. Ein Großteil bestehender Ökosysteme zeichnet sich z.B. genau durch diese Eigenschaft aus: sie alle sind krisenresistent &#8211; sonst würden sie nicht mehr existieren.</p>
<p><strong>Der Erdbeerjoghurt</strong></p>
<p>Intellektuell anregend ist die Beschäftigung mit hochgradig spezialisierten Fragestellungen komplexer Organisationen. Scheinbar triviales wird ignoriert, z.B., wie eigentlich Erdbeerjoghurt hergestellt wird. Was können Organisationen von morgen aus der Produktion von Joghurt heute lernen?</p>
<p><img class="alignnone" title="Transportwege eines Erdbeerjoghurts" src="http://erdbeerjoghurt150g.files.wordpress.com/2008/06/joghurttransportkarte2003.gif" alt="" width="455" height="649" /></p>
<p>In der Grafik werden die Transportwege zur Produktion von Erdbeerjoghurt dargestellt:</p>
<blockquote><p>Ein durchschnittlicher, in Stuttgart hergestellter Erdbeerjoghurt und seine <strong> Bestandteile und Behältermaterialien reisen insgesamt 3500 km weit. 4500 km werden zuvor von den Grundstoffen zurückgelegt</strong>, die an die Zulieferer der Meierei gehen.</p>
<p>Quelle: Faktor Vier von Ernst Ulrich von Weizsäcker, Amory B. Lovins und L. Hunter Lovins Droemer Knaur, München</p></blockquote>
<p>Fazit: Die Produktion des Joghurts ist aus marktwirtschaftlicher Sicht hochgradig effizient. Günstiges Erdöl optimiert den komplexen Entstehungsprozess. Auf den ersten Blick könnte man gar behaupten, die Produktion sei resilient, denn selbst wenn Produzenten von Teilprodukten ausfielen, ließen sich über den Markt neue finden.</p>
<p>Allerdings funktioniert dieser globalisierte Markt nur mit Unmengen günstiger Energie, mit der Transportkosten auf ein Minimum  reduziert werden, und weil die politische und finanzielle Situation komplexe Handelsketten verlässlich ermöglicht.</p>
<p><strong>Effizienz vs. Resilienz</strong></p>
<p>Effizienz wird somit durch bestehende Rahmenbedingungen definiert. Organisationen richten sich meist langfristig auf diese stabilen Rahmenbedingungen ein. Im Rückblick über die letzten Jahrzehnte war das lukrativ. Ich gehe in diesem Beitrag nur auf die Transportwege ein, die auf günstiges Erdöl angewiesen sind. Steigt beispielsweise der Preis für Erdöl, ist ab einem bestimmten Punkt die jetzige Produktionsweise nicht mehr effektiv. Falls Sie jetzt hoffnungsvoll an Elektromobilität denken: Es gibt zur Zeit keinen einzigen elektrisch betriebenen LKW auf deutschen Straßen.</p>
<p><strong>Transport wird teurer</strong></p>
<p>Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Preis für Erdöl nicht nur um den <a title="Ölpreis Sorte Brent" href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Brent_Spot_monthly.svg&amp;filetimestamp=20110518191752">Faktor 3, wie zwischen 2004  und 2008,</a> erhöht, sondern in den nächsten Jahren um den Faktor 10, ist recht hoch, da die aktuelle Produktion von Erdöl nicht wesentlich gesteigert werden kann. Gleichzeitig steigt der Erdölverbrauch durch die Nachfrage durch aufstrebende Schwellenländer aber massiv.</p>
<p>Steigender Verbrauch + sinkendes Angebot + Märkte = schwankend  steigende Erdölpreise.</p>
<p><strong>Folgen für Organisationen</strong></p>
<p>Während es jetzt noch darum geht das Spiel in Konkurrenz zu anderen möglichst gut zu spielen, würden durch massiv ansteigende Transportkosten die Spielregeln geändert. Effizient ausgerichtete Unternehmen wären von heute auf morgen ineffizient, wenn viel zu viel Mittel für Transport ausgegeben werden müssten.</p>
<p>Daraus folgt:</p>
<ol>
<li>Organisationen sollten sich offen mit solchen Szenarien auseinandersetzen und nachvollziehen, auf welche Art sie betroffen wären. Nur so können sie feststellen, wo hohe Abhängigkeiten bestehen und wie diese angegangen werden könnten.</li>
<li>Wandelfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz für Unternehmen. Sie bezieht sich nicht nur auf einzelne Produkte, sondern auf die ganze Organisation an sich.</li>
<li>Sich mit solchen Krisenszenarien zu befassen ist essentiell, aber psychisch anstrengend. Einfacher scheint es, potentielle Krisen zu ignorieren. Hilfreich gegen die allzumenschliche Neigung, möglicherweise unangenehme Wandelprozesse so lange wie möglich auszublenden, kann die Arbeit mit positiven Visionen sein, die aus dem kreativen Potential der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten heraus entstehen können.<strong></strong></li>
<li>Was ist heute anders als in Zeiten, als andere Krisen vor uns standen? <em>Not macht auch heute noch erfinderisch, aber erfinderisch sein geht besser mit PC und Internet.</em> Der große neue Vorteil: Erfahrungen können einfacher geteilt werden. Auch besteht die Möglichkeit, über Orts- und Unternehmensgrenzen hinweg mit anderen neue Ideen zu entwickeln. Somit steigt die Anpassungsgeschwindigkeit für Organisationen, die Übung im Umgang mit diesen Medien und Methoden haben. Schon heute werden z.B. Maschinen, ähnlich wie  Open Source Software, kollaborativ entwickelt und verbessert (siehe z.B. <a title="Open Farm Tech" href="http://www.regioneers.de/2011/06/07/openframtech/">Open Farm Tech</a>).</li>
</ol>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=287&amp;md5=a68aaf14f93c86034d6513be11f81e92" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kollaborative Demokratie?!</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 17:25:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit einiger Zeit beobachte ich die Idee der Bundeswerkstatt, bei der Lösungen für komplexe Probleme auf Bundesebene entwickelt werden sollen. Spannend dabei: Jascha Rohr hat einen Permakultur-Hintergrund, möchte aber auch Methoden wie Design Thinking mit einbringen. Nun ist in der letzten Oya ein Artikel von ihm erschienen: Kollaborative Demokratie! Jascha Rohr schlägt vor, Bundestag und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.oya-online.de/media/article/470/image1_hires.jpg" rel="lightbox"><img class="alignright" style="border: 0pt none;" src="http://www.oya-online.de/media/article/470/image1.jpg" alt="Bild" width="250" height="201" border="0" /></a><br />
Seit einiger Zeit beobachte ich die Idee der <a href="http://www.Bundeswerkstatt.de">Bundeswerkstatt</a>, bei der Lösungen für komplexe Probleme auf Bundesebene entwickelt werden sollen. Spannend dabei: <a href="http://www.geschichtenerzaehlen.de/">Jascha Rohr</a> hat einen Permakultur-Hintergrund, möchte aber auch Methoden wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Design_Thinking">Design Thinking</a> mit einbringen. Nun ist in der letzten Oya ein Artikel von ihm erschienen:</p>
<div>
<div>
<h2>Kollaborative Demokratie!</h2>
<h4>Jascha Rohr schlägt vor, Bundestag und Bundesrat eine ­»Bundeswerkstatt« zur Seite zu stellen. Hier würde die ­Zivilgesellschaft zusammen mit der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Kunst in transparenten, offenen Prozessen ­Zukunftskonzepte entwickeln.</h4>
<p>von Jascha Rohr erschienen in <a href="http://www.oya-online.de/article/issue/10-2011.html">Zeitschrift Oya, Ausgabe 10/2011</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">Creative Commons CC-BY-SA</a></p>
<div>
<p><span id="more-278"></span></p>
</div>
<p>Die Demokratien, in denen wir leben, sind die besten aller bisher verwirklichten politischen Systeme. Dazu stehe ich. Aber sie sind bestimmt nicht der Endpunkt der Geschichte, auch nicht die besten aller denkbaren Systeme, und schon gar nicht scheinen sie mir in der Lage, die drängenden Probleme unserer Zeit lösen zu können. Nur: Welches System könnte besser mit diesen Herausforderungen umgehen? Wahrscheinlich nur eines, das wir noch entwickeln werden, das wir noch nicht kennen und das uns sicherlich noch überraschen wird. Ich habe einen Arbeitstitel für dieses politische System. Ich nenne es die kollaborative Demokratie und das Projekt, um dorthin zu kommen, das »Hiddensee-Projekt«. Aber von vorne:</p>
<p><strong>Hiddensee</strong><br />
Vom Leuchtfeuer »Dornbusch« auf Hiddensee aus hat man einen kollossalen Weitblick über die Insel Rügen und das vorpommersche Festland. Bis nach Stralsund kann man hier bei gutem Wetter sehen. Die Mischung aus Seeluft und der Blick in die Ferne machen den Geist weit und die Gedanken klar. Meine Partnerin Sonja Hörster und ich machten hier im Herbst 2008 Urlaub, nachdem wir ein Projekt im damaligen »HUB Berlin« – einem Co-Working-Projekt für soziale Unternehmerinnen und Unternehmer – begleitet hatten. Dabei hatten wir wieder einmal festgestellt, wie wichtig es ist, dass Menschen, die ein gemeinsames Problem lösen oder ein Projekt starten wollen, Beziehungen zum Kontext aufbauen: zu den Menschen, Orten, Ideen, Geschichten rundherum. Nur dann, so unsere Erfahrung, können starke, überzeugende und relevante Ideen entstehen. Diese Beziehungsarbeit zum Kontext ist nach wie vor unüblich. Heutige Planer, Gestalter und Konzeptentwickler sehen sich häufig außerhalb oder sogar über den Dingen stehend. Sie entwickeln Lösungen für Menschen und Orte, mit denen sie nicht oder nur vermittelt verbunden sind. Wahrscheinlich geschieht das auch aus Angst: Wer sich in etwas hineinbegibt, um es zu verändern, verändert dabei immer auch sich selbst. Wer jedoch keine Bindung zu den Dingen eingeht, die er verändern möchte, richtet meist mehr Unheil an, als zu Lösungen beizutragen.<br />
<em>These: Gelungene, positive Gestaltung benötigt die Bereitschaft aller Beteiligten, Bindungen einzugehen. So befruchten sich innere und äußere Veränderungen an der gleichen Auseinandersetzung.</em><br />
Voll von diesen Gedanken, den Leuchtturm im Rücken, hatte ich die verrückte Idee, wie es wohl wäre, wenn nicht nur vereinzelte Projekte auf diese Weise organisiert wären, sondern dies auch auf die Politik eines Landes zuträfe. Was, wenn Menschen zusammenkämen, um sich tatsächlich selbst in intensive Auseinandersetzungen zu begeben und so Ideen, Programme, Projekte und Konzepte für die Zukunft ihres Landes zu entwickeln? Ich dachte dabei nicht an die »Partizipation« in Planfeststellungsverfahren oder an Bürgerforen, wo über schon ausgearbeitete Ideen diskutiert wird. Ich dachte an echte Gestaltungs- und Konzeptentwicklungsprozesse, die Lösungen für wirklich große Themenfelder, wie zum Beispiel das Gesundheitssystem oder die Energiewende, finden. Leider sind diese Prozesse bisher rar oder gar nicht vorhanden, insbesondere nicht in der Politik. Doch genau dort brauchen wir sie dringend.</p>
<p><strong>Die Welt<br />
</strong> Diese Vorstellung war erfrischend wie der Wind, der uns umwehte, und gleichzeitig aberwitzig utopisch. Aber haben wir eigentlich eine andere Wahl? Ich zumindest habe keine Hoffnung, dass die derzeitigen Bürokratie- und Lobbyismusdemokratien, in denen die entscheidenden Konzepte von politischen und wirtschaftlichen Funktionären hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden, die gigantischen Herausforderungen befriedigend bewältigen können. Ich glaube auch nicht, dass Strukturen wie die Bundesregierung, die EU oder die UNO in der Lage sind, die regional und global notwendigen Konzepte z. B. zum Klimaschutz, zur Regulierung des Finanzsystems, zur Bekämpfung von Armut und Hunger, zu einem ökologischen Umbau der Energieversorgung oder zu einer gerechten und ökologischen Ressourcenverteilung zu erarbeiten, geschweige denn, sie in der gebotenen Eile umzusetzten. »Stuttgart 21«, Euro-Rettungsschirm, Gesundheitsreform? Was uns hier als wegweisende Lösungen, innovative Konzepte und zukunftsweisende Ideen verkauft wird, treibt mir die Schamesröte ins Gesicht, weil es so weit hinter dem zurückbleibt, was möglich wäre. Es wird Zeit, uns einzugestehen, dass unsere politischen Strukturen, die uns sicherlich viel Gutes beschert haben, mittlerweile in mindestens ebenso weiten Bereichen selbst Teil des Problems geworden sind. Ihre unterkomplexe, lineare und technokratische Logik kann keine Lösungen für die überkomplexen Probleme entwickeln, mit denen wir es heute zu tun haben. Das kann wahrscheinlich nur eine regio­nal und global agierende Zivilgesellschaft durch neue produktive Formen der Zusammenarbeit, die in der Lage sind, das Auftreten kollektiver Intelligenz zu initiieren.<br />
<em>These: Um die komplexen Probleme lösen zu können, die auf uns zukommen, müssen wir lernen, transparent, ergebnisoffen und spartenübergreifend zusammenzuarbeiten und kollektive Intelligenz zu entwickeln. Ein politisches System, das dazu in der Lage ist, wäre die kollaborative Demokratie.</em> (Kollaboration kommt von col­laborare, »zusammenarbeiten«, einem Verb aus dem Kirchenlatein.)<br />
Unter dem Titel »Hiddensee-Projekt« läuft bei uns seit dem Sommer 2008 jede Aktivität, die die Etablierung einer kollaborativen Demokratie fördert.</p>
<p><strong>Die Bundeswerkstatt<br />
</strong> Ich gebe zu: Lange Zeit war das Hiddensee-Projekt nicht mehr als eine Idee. Ich erzählte sie wenigen vertrauten Freunden, war aber völlig überfordert davon, mir vorzustellen, wie ein erster Schritt aussehen könnte.<br />
Dann kamen Ende 2009 zwei Erfahrungen zusammen: Ich hatte mich zum einen intensiv mit kollaborativen Projekten und Social Media im Internet beschäftigt und über kollektive Intelligenz und Schwarmverhalten recherchiert. Über Twitter führte ich interessante Konversationen mit Menschen, die in diesen Bereichen forschen und arbeiten. Einerseits war ich fasziniert von den globalen kommunikativen Möglichkeiten der neuen Technologien und deren Effekten: die unglaubliche Geschwindigkeit der Kommunikation und Information, die zum Beispiel während der »grünen« Proteste im Iran so wichtig war. Andererseits schien es mir, dass es für die Konzeption und Umsetzung konkreter Projekte immer auch eine lokale Community braucht, die sich reell begegnet und in ihrem konkreten Umfeld zusammenarbeitet.<br />
Zum anderen beschäftigten mich Otto Scharmers »Theory U« und Tim Browns »Design Thinking«. Beide Bücher haben Innovations- und Veränderungsprozesse zum Thema. Insbesondere Brown macht deutlich, wie wichtig ein konkreter Ort ist, in und an dem sich diese Prozesse entfalten können. Plötzlich kam eines zum anderen – ausgerechnet uns als Planer, die hauptsächlich mit Orten arbeiten, war das Offensichtliche nicht aufgefallen: Politische Systeme und ihre Institutionen manifestieren sich immer auch durch konkrete Orte, z. B. durch den Bundesrat und den Bundestag.<br />
Was wäre, wenn wir dieses Zweikammersystem um eine Kammer erweiterten: die »Bundeswerkstatt«? In einer solchen Bundeswerkstatt als fester institutioneller Ergänzung des bisherigen Systems würde nicht deliberativ-repräsentativ (also durch Debatten von Meinungsvertretern) gearbeitet werden, sondern kollaborativ. Hier würde die Zivilgesellschaft zusammen mit der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Kunst in transparenten, offenen Prozessen Zukunftskonzepte entwickeln: zum Gesundheitssystem, zur Energie­wende, zur Mobilität der Zukunft, zum Steuersystem und so fort. Solche Prozesse könnten auch öffentlich übertragen werden, ähnlich wie beim Schlichtungsverfahren von Heiner Geißler, und würden dann entweder als konkrete Projekte von verschiedenen Organisationen aufgegriffen werden oder als Gesetzesvorlagen in die entsprechenden Gremien eingebracht werden können. Die Prozesse und Methoden für eine solche Arbeit sind in groben Zügen schon vorhanden und müssten entsprechend weiterentwickelt werden. Die Menschen würden sich wieder als aktive Gestalter ihres Gemeinwesens erleben und könnten zur kollektiven Intelligenz beitragen.<br />
<em>These: Menschen müssen die Erfahrung kollaborativer und partizipativer Prozesse machen und erleben können, wie kollektive Intelligenz entsteht. Dazu benötigen wir konkrete, reale Orte, in denen sich diese Prozesse manifestieren.</em><br />
Besonders spannend finde ich den Gedanken der Umkehr der Legitimation: Gäbe es Institutionen wie die Bundeswerkstatt, müssten sich politische Entscheider, die Konzepte hinter verschlossenen Türen aushandeln, die Frage gefallen lassen, warum sie sich nicht frühzeitig in einen transparenten Gestaltungsprozess mit den Bürgerinnen und Bürgern begeben haben. Ich stelle mir eine Pressekonferenz vor, in der ein Journalist fragt: »Herr XYZ, Sie präsentieren uns hier sehr kontroverse Pläne für den Bau eines unterirdischen Bahnhofs. Sie hätten das Konzept für den Umbau des Bahnhofs auch in der ›Landeswerkstatt‹ in einem kollaborativen Prozess mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, mit Vertretern von Bahn, Wirtschaft, Politik und Behörden entwickeln können. Was hat Sie dazu bewogen, diese Möglichkeit nicht wahrzunehmen, und wodurch gewinnt Ihr Vorschlag nun seine Legitimation?«<br />
In die Konzeption der Bundeswerkstatt floss in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen und Projektpartner Holger Nauheimer viel Arbeit. Es entstanden viele Ideen und ein Netzwerk aus tollen Leuten. Als wir uns jedoch im Dezember letzten Jahres an die konkrete Planung einer ersten öffentlichen Aktion machen wollten, überwältigten uns die Schwierigkeiten und offenen Fragen. Seitdem suchen wir auch hier nach einem machbaren nächsten Schritt. Ich erinnere mich, dass mich Katrin Käufer vom »Presencing Institute« ganz zu Beginn des Projekts darauf hinwies, dass wir uns auf mehrere Anläufe vorbereiten müssten.<br />
Wenn ein Projekt wie die Bundeswerkstatt, der Aufbau einer dritten Kammer innerhalb eines etablierten politischen Systems, schon ein riesiges Unterfangen ist, wie weit ist dann der Weg in die kollaborative Demokratie?<br />
Eigentlich nicht weit! Im Grund liegt sie gleich um die nächste Ecke. Sowohl wir im »Institut für Partizipatives Gestalten« als auch viele andere arbeiten überall an kleinen und großen Projekten, die ich als kollaborativ demokratisch bezeichnen würde. Zwei Beispiele aus unserer Arbeit:</p>
<p><strong>Die Bollertdörfer<br />
</strong> Seit nunmehr zwei Jahren betreuen wir eine Bürgerinitiative in den Bollertdörfern in der Nähe von Göttingen. Diese Ini­tiative hat sich gegründet, um dem demographischen Wandel in der Region entgegenzuwirken. Sie ist ausdrücklich politisch neutral und fokussiert ihre Arbeit auf konkrete Projekte zum Erhalt und zum Aufbau dörflicher und regionaler Infrastruktur. Ihr ist es gelungen, das öffentliche Freibad vor der Schließung zu retten, das sie nun selbst erfolgreich in Bürgerhand betreibt. Die Initiative hat die Grundschule vor der Schließung gerettet und organisiert in diesem September einen großen kulturellen Event. Als nächstes ist im Dorfkern des zentralen Orts ein neuartiges Mehrgenerationenprojekt geplant. Diese Erfolge sind für ein Projekt, das es erst seit zwei Jahren gibt, für sich schon bemerkenswert.<br />
Doch die wirkliche Besonderheit liegt in der Organisationsform der Initiative. So gibt es zwar aus finanziellen und rechtlichen Gründen einen Trägerverein. Die Entscheidungs- und Zusammenarbeitsstrukturen basieren aber ausschließlich auf drei Prinzipien: Gleiche Augenhöhe, Selbstermächtigung, Transparenz.<br />
Wer ein Projekt innerhalb der Initiative der Bollertdörfer realisieren möchte, sucht sich Unterstützer und legt los. Bedingung ist nur: Alle müssen teilhaben können und über den Fortgang des Projekts transparent informiert werden. Formale Abstimmungen konnten wir bei der Projektarbeit bisher vermeiden. Darauf bin ich besonders stolz, weil ich sowohl von Mehrheits- als auch von Konsensentscheidungen nicht viel halte. Wichtig ist, dass sich die Menschen in der Initiative intensiv austauschen, ihre eigenen Potenziale und Interessen erkennen und sich selbst dazu ermächtigen, ihre Ideen in die Welt zu bringen. Statt von Zweifeln, Misstrauen, Konjunktiven und Abstimmungen gebremst zu werden, können sie dann einfach loslegen. Bisher hat das erstaunlich gut funktioniert.<br />
<em>These: Kollaborative Demokratie benötigt Vertrauen und Selbst­ermächtigung. Daraus entstehen produktive und konstruktive Haltungen und natürliche Entscheidungsstrukturen, in denen Macht weder durch Einzelne noch durch Mehrheiten missbraucht werden kann.</em></p>
<p><strong>Oberndorf</strong><br />
Eines unserer neuen Projekte ist Oberndorf bei Cuxhaven. Hier sollen wir eine Dorferneuerung durchführen. Ich hatte nicht erwartet, dass dieser Auftrag viel mit kollaborativer Demokratie zu tun haben würde. Doch die Oberndorfer meinten es ernst, sie wollten neue Wege beschreiten und die finanziellen Zuschüsse einer Dorferneuerung wirklich in die Zukunft des Dorfs investieren. Nach einem partizipativen Gestal­tungsprozess von neun Monaten, in dem wir uns planerisch intensiv mit den globalen und lokalen Entwicklungen in Bezug auf Oberndorf auseinandersetzten, haben die Bewohner von Oberndorf nun den Entschluss gefasst, eine Bürgerinnengenossenschaft zu gründen. Sie wird sich um die drängenden Belange ihres Gemeinwesens kümmern: um eine Energieversorgung, deren Wertschöpfung dem Dorf erhalten bleiben soll, um die touristische Vermarktung von Oberndorf, um Konzepte für die Um- und Weiternutzung der Leerstände im Dorf und vieles mehr.<br />
»Die Oberndorfer – wir machen’s zusammen« ist ihr Slogan. Nun bauen sie sich die notwendigen Strukturen auf, sie planen zum Beispiel den Aufbau eines Orts für Bürgerengagement, an dem die Projekt- und Konzeptarbeit stattfinden kann. Zusätzlich haben sie erkannt, dass sie selbst in der Lage sein müssen, ihre Zusammenarbeit in produktiven Prozessen zu organisieren und wollen sich auch methodisch entsprechend aufstellen.<br />
<em>These: Damit kollaborative Demokratie funktioniert, müssen wir eine Infrastruktur der Zusammenarbeit aufbauen. Zusätzlich benötigen wir methodische Fähigkeiten und neue Formate, die uns helfen, produktive Prozesse der Zusammenarbeit zu organisieren.</em><br />
Damit sind in Oberndorf alle wichtigen Elemente einer kollaborativen Demokratie beisammen. Sollte dieser Ort einmal die eigene Gemeindevertretung durch Gemeindezusammenlegung verlieren, so hätten die Dorfbewohner funktionierende Strukturen einer kollaborativen Demokratie geschaffen, in denen sie auch weiterhin ihre eigenen Belange in die Hand nehmen können.<br />
Kollaborative Strukturen können freilich nicht nur in Dörfern, sondern auch in Organisationen und Unternehmen entstehen. So entwickeln sich an unterschiedlichen Stellen erste zarte Pflänzchen kollaborativer Demokratie. Und ich weiß, dass auch in vielen anderen Projekten an ähnlichen Fragen und Ansätzen gearbeitet wird. Gerade während des Schreibens erreicht mich die Nachricht über Twitter, dass in Berlin eine Veranstaltung »Echte Demokratie in Berlin« stattfinden wird. Es wird schon überall gleichzeitig daran gearbeitet, die kollektive Intelligenz entfaltet schon ihre Wirkung! Das gibt mir Hoffnung. Wenn wir weiterhin in kleinen und großen Projekten Formen kollaborativer Demokratie testen und etablieren und zugleich die große politische Perspektive nicht aus den Augen verlieren, werden wir nicht allzu lange auf die notwendigen Veränderungen warten müssen.</p>
<p><strong>Ausblick</strong><br />
Kollaborative Demokratie ist ein Wort, das vielleicht nicht ganz leicht über die Lippen geht, aber das dürfte nicht anders gewesen sein, als die ersten Menschen begannen, von repräsentativer oder parlamentarischer Demokratie zu sprechen. Ich sehe die kollaborative Demokratie im Angesicht der auf uns zukommenden Herausforderungen als notwendigen und überfälligen Schritt in der Evolution der Demokratie. Die kollaborative Demokratie wird radikale Veränderungen bringen, aber ich sehe sie trotzdem nicht als Systembruch, sondern vielmehr als ein kontinuierliches und politisch legitimiertes Upgrade. Eine kollaborative Demokratie wird viele neue Fragen aufwerfen und darf vor Experimenten nicht zurückschrecken. Denn ein Beibehalten des jetzigen Systems wäre so, als wollten wir mit alten Lochkartenrechnern komplexe 3-D‑Animationsfilme produzieren. Der Weg in die kollaborative Demokratie ist ein offener, kreativer und lebendiger Gestaltungsprozess. Er erprobt damit das tiefste Anliegen der kollaborativen Demokratie selbst: die Ermöglichung genau dieser Prozesse. Wir können heute nicht sagen, wie eine kollaborative Demokratie in zwanzig Jahren aussehen wird, aber wir haben jetzt die Möglichkeit, zum Entstehen einer neuen politischen Logik beizutragen.<br />
Letzte Woche war ich übrigens wieder auf Hiddensee. Die Idee der kollaborativen Demokratie haftet für mich immer noch am Leuchtfeuer »Dornbusch«. Ohne den Besuch auf der Insel wäre mir dieser Artikel nicht so leicht aus der Feder geflossen.</p>
<p><em>Jascha Rohr (34) studierte Philosophie und Soziologie in London, Trier und Oldenburg. 2002 gründete er die Permakultur Akademie, im Jahr 2008 mit Sonja Hörster das Institut für Partizipatives Gestalten.</em></p>
<p><em><br />
Kollaborative Demokratie zum Anfassen:<br />
</em></p>
<ul>
<li><em> <a href="http://www.bollertdoerfer.de">www.bollertdoerfer.de</a>, <a href="http://www.bundeswerkstatt.de">www.bundeswerkstatt.de</a>, <a href="http://www.dieoberndorfer.de">www.dieoberndorfer.de</a>, <a href="http://www.partizipativ-gestalten.de%20">www.partizipativ-gestalten.de </a></em></li>
<li><em> <a href="http://www.berlin-agora.de/0608-echte-demokratie-in-berlin">www.berlin-agora.de/0608-echte-demokratie-in-berlin</a> </em></li>
</ul>
</div>
</div>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=278&amp;md5=f1332f8c111a0fa552ea554c3e7ee376" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Transition Primer nun auf deutsch übersetzt</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=246</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Jul 2011 19:07:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Transition Town]]></category>

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		<description><![CDATA[Der von Ben Brangwyn und Rob Hopkins 2008 verfasste Transition Primer ist nun von Martin Elborg, Frank Wolf und Gerd Wessling ins deutsche übersetzt und teilweise aktualisiert worden: Transition Initiativen – Ein Leitfaden Energie- und Kulturwende in Städten, Gemeinden, Landkreisen, Dörfern, Gemeinschaften und ganzen Regionen Der Leitfaden ist als PDF frei verfügbar (leider nicht als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der von Ben Brangwyn und Rob Hopkins 2008 verfasste Transition Primer ist nun von Martin Elborg, Frank Wolf und Gerd Wessling ins deutsche übersetzt und teilweise aktualisiert worden:</p>
<blockquote><p>Transition Initiativen – Ein Leitfaden<br />
Energie- und Kulturwende in Städten, Gemeinden, Landkreisen, Dörfern, Gemeinschaften und ganzen Regionen</p></blockquote>
<p>Der Leitfaden ist als <a title="Transition Primer auf deutsch" href="http://www.transition-initiativen.de/page/transition-leitfaden-auf">PDF frei verfügbar</a> (leider nicht als Creative Commons lizenziert) und somit ein günstiger Einstieg, für alle die nicht das <a title="Das Energiewendehandbuch" href="http://wikiciety.org/blog/?p=23">Energiewendehandbuch</a> zur Verfügung haben.</p>
<p><span id="more-246"></span></p>
<p>Hier eine Übersicht aus dem Inhaltsverzeichnis.</p>
<ul>
<li>Warum Transition Initiativen notwendig sind</li>
<li>Mehr zum Thema “globales Ölfördermaximum” (Peak Oil)</li>
<li>Aktiv werden: Transition Initiativen auf globalem, nationalem und lokalem Level</li>
<li>Das Transition Modell – Wie sieht es genau aus?</li>
<li>Kinsale 2021 – ein Energiewende-Aktionsplan</li>
<li>Transition Town Totnes</li>
<li>Städte im Wandel: Transition Initiativen in Deutschland</li>
<li>Eine „offizielle“ Transition Initiative starten: Kriterien</li>
<li>Eine Transition Initiative starten: Verschiedene Formen</li>
<li>Eine Transition Initiative starten: Formale Struktur</li>
<li>Die sieben Vorbehalte auf dem Weg zur Transition Town</li>
<li>Die 12 Schritte zum Wandel, einschließlich Energiewende-Aktionsplan</li>
<li>Transition: Der größere Kontext des Wandels</li>
<li>Führung und Organisation</li>
<li>Die Rolle kommunaler Politik</li>
<li>Die lokale Wirtschaft einbeziehen</li>
<li>Filme, um Bewusstsein zu schaffen</li>
<li>Das internationale Transition Netzwerk</li>
</ul>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=246&amp;md5=96d529786bc8696f5f7e2166670ebfde" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise</title>
		<link>http://wikiciety.org/blog/?p=234</link>
		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=234#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 17:36:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[post-fossil]]></category>
		<category><![CDATA[wbgu]]></category>

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		<description><![CDATA[In der  Zusammenfassung des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ von 2011, heißt es: Der WBGU begründet in diesem Bericht die dringende Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise, zeigt zugleich die Machbarkeit der Wende zur Nachhaltigkeit auf und präsentiert zehn konkrete Maßnahmenbündel zur Beschleunigung des erforderlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der  Zusammenfassung des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ von 2011, heißt es:</p>
<blockquote><p>Der WBGU begründet in diesem Bericht die dringende Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise, zeigt zugleich die Machbarkeit der Wende zur Nachhaltigkeit auf und präsentiert zehn konkrete Maßnahmenbündel zur Beschleunigung des erforderlichen Umbaus. Damit die Transformation tatsächlich gelingen kann, muss ein Gesellschaftsvertrag zur Innovation durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats geschlossen werden.<span id="more-234"></span></p></blockquote>
<p>Hier eine erste Übersicht zu den zehn Maßnahmenbündeln:</p>
<blockquote>
<ol>
<li>Den gestaltenden Staat mit erweiterten Partizipationsmöglichkeiten ausbauen</li>
<li>CO2-Bepreisung global voranbringen</li>
<li>Europäisierung der Energiepolitik ausweiten und vertiefen</li>
<li>Ausbau erneuerbarer Energien durch Einspeisevergütungen international beschleunigen</li>
<li>Nachhaltige Energiedienstleistungen in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern</li>
<li>Rasante Urbanisierung nachhaltig gestalten</li>
<li>Klimaverträgliche Landnutzung voranbringen</li>
<li>Investitionen in eine klimaverträgliche Zukunft unterstützen und beschleunigen</li>
<li>Internationale Klima- und Energiepolitik</li>
<li>Internationale Kooperations­revolution anstreben</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Hier noch das Fazit des Berichtes:</p>
<blockquote><p>Der „fossilnukleare Metabolismus“ der Industriegesellschaft hat keine Zukunft. Je länger wir an ihm festhalten, desto höher wird der Preis für die nachfolgenden Generationen sein. Doch es gibt Alternativen, die allen Menschen zumindest die Chance auf ein gutes Leben in den Grenzen des natürlichen Umweltraumes eröffnen können. Ohne eine weltweite Übereinkunft, diese Alternativen tatsächlich zu wagen, werden wir nicht aus der Krise der Moderne herausfinden. Nichts weniger als ein neuer Contrat Social muss also geschlossen werden. Dabei wird die Wissenschaft eine entscheidende, wenngleich dienende Rolle spielen. Nachhaltigkeit ist nicht zuletzt eine Frage der Phantasie.</p></blockquote>
<p>Mit anderen Worten: Los geht&#8217;s! Wir fangen dann schon mal auf regionaler Ebene an, bevor die &#8220;Internationale Kooperationsrevolution (Bündel 10)&#8221; dann auch international durchgesetzt ist.</p>
<p>Das komplette <a title="PDF-Originalquelle" href="http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011_ZfE.pdf">Gutachten liegt als Creative Commons lizenzierter Volltext</a> vor. Eine Kopie ist in diesem Blog verfügbar:</p>
<ul>
<li><a href="http://wikiciety.org/blog/wp-content/uploads/2011/04/wbgu_jg2011_ZfE.pdf">Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation</a> (Zusammenfassung für Entscheidungsträger vom WBGU, PDF 34 Seiten, ca. 5 MB)</li>
</ul>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=234&amp;md5=762f8550974536e3d200f148d01d32bf" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Oh ja! Postwachstumsökonomie</title>
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		<comments>http://wikiciety.org/blog/?p=223#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 11:15:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ingo Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Peak Oil]]></category>
		<category><![CDATA[Post Wachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Postwachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Postwachstumsökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Zeitschrift Oya hat der an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg arbeitende Professor Niko Paech einen spannenden Überblick zur Postwachstumsökonomie veröffentlicht. Wachstumsdämmerung Grüne Technologie und grünes Wachstum werden weder die Ökosphäre noch unsere »Bequemokratie« retten. Die Zukunft liegt jenseits des Wachstumsdiktats in einer auf Genügsamkeit und Selbstversorgung basierenden Postwachstumsökonomie. von Niko Paech erschienen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der <a href="http://www.oya-online.de/">Zeitschrift Oya</a> hat der an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg arbeitende <a href="http://www.produktion.uni-oldenburg.de/39380.html">Professor Niko Paech</a> einen spannenden Überblick zur Postwachstumsökonomie veröffentlicht.</p>
<blockquote>
<h1>Wachstumsdämmerung</h1>
<p><strong>Grüne Technologie und grünes Wachstum werden weder die Ökosphäre  noch unsere »Bequemokratie« retten. Die Zukunft liegt jenseits des  Wachstumsdiktats in einer auf Genügsamkeit und Selbstversorgung  basierenden Postwachstumsökonomie.</strong></p>
<p>von Niko Paech erschienen in <a href="http://www.oya-online.de/article/issue/07-2011.html">07/2011</a></p>
<p>Niemand stellt mehr ernsthaft in Frage, dass Klimawandel und  Ressourcenverknappung dem Expansionsdrang moderner Konsumgesellschaften  geschuldet sind. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft  und Wissenschaft verbreiten dennoch unbeirrt das Evangelium der  grenzenlosen Steigerung, und zwar als »qualitatives«, »entkoppeltes«  oder »dematerialisiertes« Wachstum. Zuweilen ist von einem »Green New  Deal« oder einer »dritten industriellen Revolution« die Rede. Demnach  sind es Innovationen in Form nachhaltiger Produkte, Technologien und  Infrastrukturen, die beides zugleich retten sollen: die Ökosphäre und  die Bequemokratie eines konsum- und mobilitätsorientierten Lebensstils.  Dies soll auf Basis zweier Strategien gelingen. <span id="more-223"></span><br />
Die Konsistenzstrategie zielt darauf, ökonomische Prozesse als System  geschlossener Kreisläufe zu organisieren. Abfälle, Emissionen und andere  Umweltschädigungen entfielen, weil Stoffumsätze in den ökologischen  Haushalt eingebettet wären. Was biologisch abbaubar ist, zerfällt nach  seiner Nutzung buchstäblich zu neuer Nahrung für die Ökologie. Auch  jenseits organischer Systeme soll dieses Prinzip angewandt werden,  nämlich als technische Wiederverwertbarkeit. Wenn das Design aller  Produkte, Technologien und Infrastrukturen deren rückstandslose  Demontage und Wiederverwendung ermöglichen würde, wäre nicht nur jede  ökologische Belastung getilgt, sondern es entstünde sogar indus­trielle  Nahrung für neue Wertschöpfung. Ein derart futuristisches  Ressourcenkarussell, das sich schnell genug drehen muss, weil  andernfalls kein Wirtschaftswachstum denkbar wäre, schluckt viel  Energie. Kein Problem, sagen deren Protagonisten. Wind, Sonne, Biomasse  und Geothermie sind reichlich vorhanden und emissionsfrei.<br />
Dem zur Seite steht eine Strategie, die auf Effizienz setzt, nämlich auf  einer Verringerung der Ressourcen und des Energiebedarfs zur  Generierung eines bestimmten Resultats. Dies kann auf Basis  ökoeffizienter Produkte, Verfahren und Dienstleistungen erfolgen. So  gewährleistet beispielsweise ein Passivhaus aus Sicht seiner Bewohner  dieselben Funktionen wie ein konventionelles Wohnhaus, verbraucht aber  nur einen Bruchteil der Wärmeenergie. Ähnliches gilt für  Energiesparbirnen, Drei-Liter-Autos oder Kühlschränke, deren  Energiebedarf unter Wahrung aller bisherigen Wohlstandsmerkmale  reduziert werden kann.<br />
Beide Ansätze scheitern nicht nur immer offenkundiger bei dem Versuch,  weiteres Wirtschaftswachstum ökologisch zu entschärfen, sondern  immunisieren das Gesamtsystem gegen einen kulturellen Wandel in Richtung  suffizienter und subsistenter Lebensstile. Liebgewonnene  Selbstverwirklichungssymbole dürfen also weiter wachsen, aber nunmehr –  Hokuspokus – mit grünem Anstrich. Das Ganze mutet wie eine magische Diät  für Übergewichtige an: »Iss das Doppelte, und nimm ab dabei!« Teils  gelangweilt, teils mit Grausen wendet sich ein immer größerer Teil des  vormals geneigten Publikums von dieser fortschrittstrunkenen Aufführung  ab. Kein Wunder also, dass Wachstumskritik Hochkonjunktur hat.</p>
<p><strong>Das Wachstumsdogma<br />
</strong> Die sogenannte Glücksforschung befördert längst die Einsicht,  dass eine Steigerung des über Geld vermittelten materiellen Reichtums ab  einem bestimmten Niveau nicht zugleich das subjektive Wohlbefinden  erhöht. Viele Konsumaktivitäten sind symbolischer Art, zielen auf  soziales Prestige oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder  »Szene«. Wer nicht mit den neuesten Innovationen mitzieht, verliert den  Anschluss. Die Auswahl an Konsumoptionen explodiert, und da der Tag  nach wie vor nur 24 Stunden hat, wird Konsum zum Stressfaktor. Das  Viel-Haben tritt in Widerspruch zum Gut-Leben.<br />
Auch die traditionsreiche Auffassung, wonach wirtschaftliches Wachstum  Armut und soziale Ungleichheit mildert, stellt sich als unhaltbar  heraus. Dass aus Gründen politischer Opportunität stets darauf gesetzt  wurde, anstelle konfliktreicher Umverteilungen lieber Zuwächse zu  produzieren, um damit Bedürftige besserzustellen, heißt ja nicht, dass  diese Rechnung jemals aufgegangen wäre. Die Verschiebung von  Ungleichheit auf immer höhere Niveaus und neue Armut in gerade jenen  Aufsteigernationen sprechen Bände.<br />
Besonders gerne wird übersehen, dass vermeintlich »qualitatives«  Wachstum nie materielos ist. Es verleiht dem quantitativen Wachstum  buchstäblich Flügel. Gerade die Wissens- und Kreativitätsschübe eröffnen  der material- und energieintensiven Wertschöpfungsmaschinerie neue  Expansionsspielräume. Von der digitalen Revolution bis zu den  erneuerbaren Energien: Nahezu alles, was bislang zwecks  »Dematerialisierung« unternommen wurde, hat, zumindest gemessen an  absoluten Umweltbelastungen, das Gegenteil bewirkt.<br />
Schließlich zeigen sich am Horizont herannahende Ressourcenverknappungen  keineswegs nur im Sinn des vielbesungenen Peak Oil. Wer einem  weismachen will, dass der fossilen Abhängigkeit mittels smarter  Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien,  Informationstechnologien, Elektromobilität etc. zu entrinnen sei, hat  übersehen, dass damit der Bedarf an Flächen, seltenen Metallen und  seltenen Erden explosionsartig forciert wird.</p>
<p><strong>Von der Nachhaltigkeit zur Resilienz<br />
</strong> Vor dieser Gemengelage versinnbildlicht das  Wachstumsbeschleunigungsgefasel bestenfalls die letzten Zuckungen eines  unrettbar gewordenen Wohlstandsmodells. Dessen bisheriger Höhenflug, der  sich aus einer enormen Ressourcenzufuhr von außen speiste, potenziert  Abhängigkeiten von weltweit verzweigten Herstellungsketten. Noch nie war  die Versorgung mit Gütern von einem derart fragilen System abhängig.  Das Prinzip der Fremdversorgung folgt einer unhintergehbaren Logik: Wer  hoch fliegt, fällt umso tiefer.<br />
Nachhaltigkeit heißt also inzwischen Resilienz. Dabei geht es um  zweierlei, nämlich die Dämpfung des nicht mehr zu verhindernden  Aufpralls und die Gestaltung eines ermutigenden Zustands für die Phase  danach. Das Konzept der Postwachstums­ökonomie greift beides auf. Es  sieht vor, das maßlos gewordene Fremdversorgungs­niveau und damit  zugleich die soziale Fallhöhe vorsichtig zurückzubauen zugunsten einer  neuen Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung. Damit wird Wohlstand  auf ein materiell bescheideneres, aber eben auch stabileres Fundament  gestellt.<br />
Fremdversorgungssysteme bilden eine Ursache für strukturelle  Wachstumszwänge, weil sie darauf beruhen, die Distanz zwischen Verbrauch  und Produktion zu vergrößern. Wenn Produktion, die vormals an einen  Standort gebunden war, in viele isolierte Fertigungsstufen zerlegt wird,  können diese flexibel und ortsungebunden je nach Kosten- oder  Qualitätsvorteilen verschoben werden. Diese Zerlegung erlaubt das  Abschöpfen von Spezialisierungsgewinnen, die zu sinkenden Stückkosten  führen. Aber jede Spezialisierungsstufe muss vor der Produktionsphase  die benötigte Infrastruktur finanzieren. Das dazu benötigte Fremdkapital  kostet Zinsen; Eigenkapital verlangt nach einer hinreichenden Rendite.  Folglich muss in jeder Periode ein entsprechender Überschuss  erwirtschaftet werden. Das zur Stabilisierung des Gesamtprozesses  erforderliche Wachstum steigt also mit zunehmender Spezialisierung,  d. h. mit der Anzahl eigenständiger Betriebe und dem notwendigen  Überschuss, um das Risiko des Investors mindestens zu kompensieren.  Dieses Risiko steigt obendrein mit zunehmender Komplexität, also Anzahl,  Distanz und Anonymität der Produktionsstätten.<br />
Daraus lassen sich Ansatzpunkte für eine Milderung von Wachstumszwängen  ableiten. Weniger Spezialisierungsstufen zwischen Produktion und  Verbrauch reduzieren zwar die ökonomische Effizienz, aber zugleich auch  den Wachstumszwang, weil die Summe nötiger Kapitalzinszahlungen und  Gewinne dann sinken kann. Kurze Wertschöpfungsketten etwa im Sinn einer  Lokal- oder Regionalwirtschaft schaffen außerdem Nähe und damit  Vertrauen, das eine weniger zinsträchtige Kapitalbeschaffung ermöglicht.  Das Prinzip der Genossenschaftsbanken beruht beispielsweise auf hoher  Transparenz und der unmittelbaren Beziehung zwischen Kapitalgeber und  -nehmer. Dies senkt das durch hohe Zinsen bzw. Renditen abzudeckende  Anlagerisiko. Ein weiterer Effekt kleinräumiger Ökonomien ist, dass  Anleger stärkeren Einfluss auf die Verwendung ihres Kapitals nehmen. Wer  sein Geld einem Unternehmen überlässt, dessen Zweck – etwa ökologischer  Landbau oder soziales Engagement – er vertritt, wird tendenziell  geringere Zinsen fordern. Dies entspräche keinem Verzicht, sondern dem  Gegenwert für eine höhere ethische Qualität der Anlage.</p>
<p><strong>Schritte in die Postwachstumsökonomie<br />
</strong> Zur Postwachstumsökonomie führen fünf Schritte, die letztlich  in einer höheren individuellen Lebensqualität und mehr Gemeinwohl  resultieren.</p>
<p>→	<strong>Suffizienz.</strong> Manche Konsumaktivitäten können  ersatzlos entfallen. Das Suffizienzprinzip verinnerlicht die Antithese  zur Steigerungslogik konsumtiver Selbstverwirklichungsansprüche: Von  welchen Energiesklaven und Komfortkrücken ließen sich überbordende  Lebensstile und schließlich die Gesellschaft als Ganze befreien? Es geht  darum, Wohlstandsschrott auszumustern, der nur unser Leben verstopft,  obendrein Zeit, Geld, Raum sowie ökologische Ressourcen beansprucht. In  einer Welt der Reiz- und Optionenüberflutung, die niemand mehr  bewältigen kann, werden Reduktion, Überschaubarkeit und Entschleunigung  zum Selbstschutz. Das zunehmend »erschöpfte Selbst« verkörpert die  Schattenseite einer Jagd nach Glück und Selbstinszenierung. Was hier vor  allem wächst, ist der Markt für Antidepressiva. Die Befreiung von einer  erstickenden Wohlstandslawine bedeutet, sich stressfrei auf das  Wesentliche konzentrieren zu können, statt im Hamsterrad der käuflichen  Selbstverwirklichung orientierungslos zu werden.</p>
<p>→	<strong>Subsistenz.</strong> Wer von monetär basierter  Fremdversorgung abhängig ist, lebt stets in der Furcht,  »Globalisierungsopfer« zu werden, wenn Firmen schließen, Löhne sinken  oder Preise steigen. Sozial stabil sind nur Versorgungsstrukturen mit  geringerer Distanz zwischen Verbrauch und Produktion. Dazu zählt die  Reaktivierung von Kompetenzen, manuell und kraft eigener Fertigkeiten  Bedürfnisse jenseits kommerzieller Märkte zu befriedigen, vor allem  handwerkliche Tätigkeiten. Durch eine Verkürzung der Erwerbsarbeit auf  durchschnittlich 20 Stunden ließen sich Selbst- und Fremdversorgung so  kombinieren, dass die Geld- und Wachstumsabhängigkeit sinkt.  Eigenarbeit, »urbane Subsistenz«, Gemeinschaftsgärten, Tauschringe,  Netzwerke der Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte, Einrichtungen zur  Gemeinschaftsnutzung von Geräten und Werkzeugen würden zu einer  graduellen De-Globalisierung verhelfen.</p>
<p>→	<strong>Regionalökonomie</strong>. Viele Bedürfnisse ließen sich  durch regionale Märkte bis hin zu Konzepten wie »Community Supported  Agriculture« (CSA) befriedigen. Regionalwährungen könnten Kaufkraft an  die Region binden und damit von globalen Abhängigkeiten befreien. So  würden die Effizienzvorteile einer geldbasierten Arbeitsteilung  weiterhin genutzt, jedoch innerhalb eines ökologieverträglicheren und  krisenresistenteren Rahmens.</p>
<p>→	<strong>Stoffliche Nullsummenspiele</strong>. Infolge der obigen  Strategien bräuchte der auf Geldwirtschaft und industrieller  Arbeitsteilung basierende Komplex etwa nur noch halb so groß zu sein –  zumindest wenn die durchschnittliche Erwerbsarbeit deutlich reduziert  würde. Zudem wäre der Rest an industrieller Struktur so umzugestalten,  dass die Neuproduktion von Gütern, die viel langlebiger und  reparaturfreundlicher sein müssten, eher eine untergeordnete Rolle  spielt. Der Fokus läge auf dem Erhalt, der Um- und Aufwertung  vorhandener Produktbestände. Klassische »Produzenten« würden durch  Anbieter abgelöst, die optimieren, reparieren und renovieren. Durch die  Strategie »Umbau statt Neubau« würde aus vorhandenen Gütern weiterer  Nutzen extrahiert, indem diese funktional und ästhetisch an gegenwärtige  Bedürfnisse angepasst würden und somit möglichst lange im Kreislauf  einer effizienten Verwendung verblieben. Märkte für gebrauchte,  aufgearbeitete und überholte Güter tragen ebenfalls zur Reduktion von  Neuproduktion bei.<br />
Ein Beispiel: Wenn es gelänge, die durchschnittliche Nutzungsdauer von  Notebooks zu verdoppeln, könnte die Produktion halbiert werden, ohne die  Verfügbarkeit der Konsumfunktionen zu schmälern. Infolge reduzierter  Neuanschaffungen würde weniger Einkommen, also auch weniger Arbeitszeit,  benötigt. So wäre Zeit verfügbar, durch Eigenarbeit Leistungen zu  erbringen, die vormals finan­ziert werden mussten. Damit schließt sich  ein Kreis zum Schritt »Subsistenz«. Subsistenz verhilft nicht nur zu  mehr Autonomie, sondern spart auch Geld. Obendrein kann sie in  produktiven, insbesondere handwerklichen Beiträgen bestehen. Das  Argument, eine Halbierung der Erwerbsarbeit und folglich Halbierung der  Produktion halbiere auch den Wohlstand, ist also nicht haltbar, denn an  die Stelle materieller Ressourcen zur Neuproduktion treten dann drei  marktfreie Ressourcen: (1) eigene handwerkliche Fähigkeiten, (2) Zeit,  die dazu nötig ist, und (3) soziale Interaktionen zwecks  Gemeinschaftsnutzung.</p>
<p>→	<strong>Institutionelle Innovationen.</strong> Verschiedene, hier  nur skizzenhaft und unvollständig genannte Rahmenbedingungen könnten die  Postwachstumsökonomie unterstützen: Boden-, Geld- und  Finanzmarktreformen würden systemimmanente Wachstumszwänge mildern.  Regionalwährungen könnten mit einer das Zinsniveau gegen Null senkenden  Geldumlaufsicherung versehen werden. Veränderte Unternehmensformen  könnten die Gewinndynamik dämpfen. Der Subventions­dschungel könnte  durchforstet werden, um gleichermaßen ökologische Schäden und  öffentliche Verschuldung zu reduzieren. Ein Bodenversiegelungsmoratorium  und Rückbauprogramme für Infrastrukturen wären sinnvoll. Insbesondere  Industrieparkanlagen, Autobahnen, Parkplätze und Flughäfen könnten  renaturiert werden. Ansonsten können dort Anlagen für erneuerbare  Energien installiert werden, um die katastrophalen Flächen- und  Landschaftsverbräuche dieser Technologien zu reduzieren.</p>
<p><strong>Auswege aus der Schizophrenie<br />
</strong> Weiterhin wäre es an der Zeit, den dehnbaren  Nachhaltigkeitsbegriff endlich anhand einer widerspruchsfreien – und vor  allem ehrlicheren! – Zielformulierung zu konkretisieren. Die  Folgerungen aus der Einsicht, dass viele der vermeintlich nachhaltigen  Technologie- und Produktinnovationen systematisch mehr Schäden  verursachen, als sie vermeiden, reichen weiter, als selbst viele  Wachstumskritiker ahnen: Es existieren nämlich keine per se nachhaltigen  Produkte und Technologien, sondern nur nachhaltige Lebensstile. Was  nützt es, ein Passivhaus zu bewohnen, Ökostrom zu beziehen, Bionade zu  trinken etc., wenn derlei Dinge erstens das Resultat zusätzlicher  Produktion sind und zweitens über das hinwegtäuschen (sollen), was  dasselbe Individuum ansonsten praktiziert? 2010 hat der Flugverkehr in  Deutschland trotz Vulkanasche und letzter Ausläufer der Finanzkrise  einen neuen Rekord erzielt. Folglich lässt sich Nachhaltigkeit nur auf  Basis individueller Ökobilanzen bemessen. Gemäß dem  Zwei-Grad-Klimaschutzziel stünden jedem Erdbewohner pro Jahr 2,7 Tonnen  an CO2 zu. Die eigene CO2-Bilanz zu ermitteln, ist längst ein  Kinderspiel. Jede Nachhaltigkeitskommunikation und -­politik, die sich  daran vorbeimogelt, ist nicht nur überflüssig, sondern schädlich: Sie  zementiert die Schizophrenie einer Gesellschaft, deren  Nachhaltigkeitsziele nie lauter bekundet wurden und deren Lebensstile  sich nie weiter davon entfernt haben.<br />
Wer sich an diesem ­Zielkorridor orien­tiert, kann nicht anders, als  jene Lebensstil­elemente aufzugreifen, die eine Postwachs­tumsökonomie  konstituieren.<br />
<em>Niko Paech (50) studierte Volkswirtschaftslehre und ist  außerplanmäßiger Professor an der Carl von Ossietzky Universität  Oldenburg im Bereich Nachhaltigkeitsforschung.</em></p>
<p><strong><em>Lust auf Schrumpfen?<br />
</em></strong><em>Internet<br />
</em></p>
<ul>
<li><em><a href="http://www.postwachstumsoekonomie.org">www.postwachstumsoekonomie.org</a></em></li>
</ul>
<p><em> Literatur<br />
</em></p>
<ul>
<li><em> Marianne Gronemeyer: Die Macht der Bedürfnisse: Überfluss und Knappheit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2009</em></li>
<li><em> Rob Hopkins: Energiewende, Zweitausendeins, 2008</em></li>
</ul>
</blockquote>
<p>Quelle: Oya &#8211; anders denken anders leben; <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">http://www.oya-online.de/article/read/328-Wachstumsdaemmerung.html;</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">Creative Commons CC-BY-SA</a></p>
 <p><a href="http://wikiciety.org/blog/?flattrss_redirect&amp;id=223&amp;md5=80e7e59bb348e12f2ff3f85cb4afffc8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://wikiciety.org/blog/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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