Kopenhagen: Kritik am Umgang mit NGOs und Journalisten

Neben den inhaltlichen Berichterstattungen in den Massenmedien wird die Konferenz in Kopenhagen auch in ihrer Form kritisiert.  Einige Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, die für die Konferenz akreditiert sind berichten direkt aus Kopenhagen. So auch Jürgen Maier vom Deutschen Naturschutzring. Er schreibt im Sonder-Newsletter (#19) von heute:

Abgesehen von der inhaltlichen Blockade ist dieser Gipfel die chaotischste und am schlechtesten organisierte Konferenz, die ich je besucht habe. NGO-Vertreter kamen in den letzten Tagen nur noch mit immer größeren Schwierigkeiten überhaupt ins Konferenzgebäude, und während es gestern morgen noch hieß, heute kämen 1000 NGO-Vertreter hinein, schrumpfte die Zahl am Abend auf nur noch 54. Eine ganze Reihe wurde von verschiedenen Regierungen »adoptiert« und in letzter Minute zu Regierungsvertretern ernannt. Viele NGO-Vertreter wollten daraufhin das Konferenzgebäude gar nicht mehr verlassen und dort übernachten, wurden dann aber von der Security hinauskomplimentiert.

Dänemark und das UN-Klimasekretariat überbieten sich gegenseitig in organisatorischer Inkompetenz und offen zur Schau gestellter Arroganz gegenüber der aus aller Welt angereisten Zivilgesellschaft. Sie provozieren damit erst die aggressive Stimmung, die sich inzwischen überall breit macht. Völlig unverhältnismäßige Härte gegenüber Protestaktionen innerhalb wie außerhalb des Konferenzgeländes haben Dänemark längst als Gastgeber disqualifiziert. In diktatorischen oder halbdemokratischen Regimes, die in den letzten Jahren als Gastgeber von Klimakonferenzen oder ähnlichen Veranstaltungen auftraten, gab es derartige Szenen nicht.

Aber auch Journalisten übten heute heftige Kritik. Z.B. beschweren sich ARD und ZDF über eingeschränkte Berichterstattung:

Die Korrespondenten von ARD und ZDF, die nach Kopenhagen gereist sind, unterliegen massiven Beschränkungen. Aus diesem Grund haben die Sender einen Protestbrief veröffentlicht. Im Folgenden der Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten hiermit gegen die massive Beschränkung der freien Berichterstattung auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen protestieren. Seit heute dürfen sich Journalisten im Konferenzzentrum nicht mehr frei bewegen. Drehs außerhalb des Pressezentrums sind nur noch möglich, wenn ein Delegationsmitglied das Kamerateam und den Reporter an der Sicherheitsschleuse abholt und das Team dann von einem UN-Verantwortlichen begleitet wird. Spontane Drehs sind unmöglich. Selbst die UN-Medienkoordination wurde offenbar von diesen Maßnahmen überrascht, da die Verschärfung nicht angekündigt war. Diese Maßnahmen verstoßen gegen die Presse- und Rundfunkfreiheit und behindern die Arbeit der Medien in höchstem Maße. Wir sehen das Recht der freien Berichterstattung massiv eingeschränkt. Daher fordern wir die sofortige Aufhebung dieser Einschränkung für alle Journalistinnen und Journalisten auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Nikolaus Brender
Chefredakteur ZDF

Thomas Baumann
Chefredakteur ARD

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