Schon vor einiger Zeit bin ich auf Stéphane Hessels Büchlein Empört Euch! und das Folgebüchlein Engagiert Euch! gestoßen. Ich habe mich gefreut die Perspektive eines Resistance-Anhängers kennen zu lernen und etwas über seine Sicht der Dinge auf die Situation heute zu lernen.
Vermisst habe ich die Einordnung aktueller Umweltprobleme im Kontext der Menschenrechte. Ich selbst bin der Überzeugung, dass es gar nicht mehr um die Umwelt geht, die wir zerstören, also nicht um das kleine Biotop nebenan oder den Eisbären auf der Eisscholle. Es geht mehr um die Lebensgrundlage der Menschheit an sich, an der zentrale Fragen hängen:
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schreibt heute:
Insgesamt helfe die robuste Binnennachfrage, eine rückläufige Wirtschaftstätigkeit zu vermeiden. So sei 2011 das beste Konsumjahr seit mehr als zehn Jahren gewesen: Nach DIHK-Prognose stieg der private Verbrauch im vergangenen Jahr um mindestens 1,2 Prozent gegenüber 2010. Der Konsumnachfrage im Inland kommt die günstige Beschäftigungssituation zugute.
Diese Mitteilung wird gerade über verschiedene Massenmedien verbreitet. Leider völlig unkritisch, denn mehr Konsum führt zu weniger Nachhaltigkeit: Mehr persönlicher Konsum bedeutet, dass das der Verbrauch pro Person weiter in Deutschland steigt. Somit steigt auch der Ressourcenverbrauch, der Energiebedarf, die Kosten für Entsorgung usw.. – es ist also noch keine Trendwende zu erkennen, der extrem hohe persönliche Konsum in Deutschland ist weiter gestiegen.
Über den Begriff German Angst bin ich das letzte Mal bei den Antiatom-Protesten nach dem Supergau in Fukushima gestolpert. Das war ein diffuser Erklärungsversuch, warum die Antiatomproteste stärker ausgefallen sind als in den Nachbarländern Deutschlands. Ich habe mich nicht weiter damit befasst, weil es generell schwierig ist mit Risiken angemessen umzugehen – schon deshalb weil es extrem schwer ist für uns Menschen Risiken rational einzuschätzen. Aber selbst das ist häufig gar nicht möglich, da eben viele Risikofaktoren kaum bekannt sind, weshalb ein intuitiver, nicht-rationaler Umgang gar nicht so schlecht ist.
Spannend war die Lektüre in der aktuellen Oya des Artikels
Wir haben unsere Seelen verkauft
Lara Mallien sprach mit Martin Häusler über sein neues Buch »Fürchtet euch nicht! Die Vertreibung der Deutschen Angst.«
Wie müssen Organisationen (heute) im Kontext einer nächsten – vom Computer geprägten Gesellschaft – gedacht, entworfen, beraten und letztendlich auch gemanagt und geführt werden?
Haben Sie an Ihrem Arbeitsplatz schon mal einen Serverausfall erlebt? – Ich freue mich dann immer, dass die Kaffeemaschine noch nicht in an den Server angeschlossen ist. Wenn dann auch noch der Strom ausfällt – was, zumindest durch Bauarbeiten verursacht, ab und an mal passiert – fällt auch diese Option weg. Mein Soziologieprofessor – ein Vorreiter für Onlinewahlen – befand sich in einem Bankschaltervorraum, als der Strom für mehrere Stunden ausfiel. Der Automat ging nicht mehr, auch die elektrische Schiebetür ließ sich nicht mehr öffnen.
Seit einiger Zeit beobachte ich die Idee der Bundeswerkstatt, bei der Lösungen für komplexe Probleme auf Bundesebene entwickelt werden sollen. Spannend dabei: Jascha Rohr hat einen Permakultur-Hintergrund, möchte aber auch Methoden wie Design Thinking mit einbringen. Nun ist in der letzten Oya ein Artikel von ihm erschienen:
Kollaborative Demokratie!
Jascha Rohr schlägt vor, Bundestag und Bundesrat eine »Bundeswerkstatt« zur Seite zu stellen. Hier würde die Zivilgesellschaft zusammen mit der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Kunst in transparenten, offenen Prozessen Zukunftskonzepte entwickeln.
Der von Ben Brangwyn und Rob Hopkins 2008 verfasste Transition Primer ist nun von Martin Elborg, Frank Wolf und Gerd Wessling ins deutsche übersetzt und teilweise aktualisiert worden:
Transition Initiativen – Ein Leitfaden
Energie- und Kulturwende in Städten, Gemeinden, Landkreisen, Dörfern, Gemeinschaften und ganzen Regionen
Der Leitfaden ist als PDF frei verfügbar (leider nicht als Creative Commons lizenziert) und somit ein günstiger Einstieg, für alle die nicht das Energiewendehandbuch zur Verfügung haben.
In der Zusammenfassung des Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ von 2011, heißt es:
Der WBGU begründet in diesem Bericht die dringende Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise, zeigt zugleich die Machbarkeit der Wende zur Nachhaltigkeit auf und präsentiert zehn konkrete Maßnahmenbündel zur Beschleunigung des erforderlichen Umbaus. Damit die Transformation tatsächlich gelingen kann, muss ein Gesellschaftsvertrag zur Innovation durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats geschlossen werden.
In der Zeitschrift Oya hat der an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg arbeitende Professor Niko Paech einen spannenden Überblick zur Postwachstumsökonomie veröffentlicht.
Wachstumsdämmerung
Grüne Technologie und grünes Wachstum werden weder die Ökosphäre noch unsere »Bequemokratie« retten. Die Zukunft liegt jenseits des Wachstumsdiktats in einer auf Genügsamkeit und Selbstversorgung basierenden Postwachstumsökonomie.
Niemand stellt mehr ernsthaft in Frage, dass Klimawandel und Ressourcenverknappung dem Expansionsdrang moderner Konsumgesellschaften geschuldet sind. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft verbreiten dennoch unbeirrt das Evangelium der grenzenlosen Steigerung, und zwar als »qualitatives«, »entkoppeltes« oder »dematerialisiertes« Wachstum. Zuweilen ist von einem »Green New Deal« oder einer »dritten industriellen Revolution« die Rede. Demnach sind es Innovationen in Form nachhaltiger Produkte, Technologien und Infrastrukturen, die beides zugleich retten sollen: die Ökosphäre und die Bequemokratie eines konsum- und mobilitätsorientierten Lebensstils. Dies soll auf Basis zweier Strategien gelingen.
Immer mehr Kommunen und Landkreise wollen ihren Strom selbst produzieren. Dafür muss Energie künftig viel effizienter eingesetzt werden. VON BERNWARD JANZING
Er passt auch gut zu den Ideen bei Regioneers.De – hier in Berlin Brandenburg gibt es z.B. die Gemeinde Feldheim, die sich bereits jetzt weitestgehend selbst versorgt – das alles passt auch ganz gut zur Transition Town-Idee.
Auch wenn schätzungsweise über 12 Millionen Menschen den Film schon gesehen haben sollen, stelle ich ihn hier in mein Blog, da er hier gut hineinpasst.